E10 bald wieder vom Markt? Ein Resümee sechs Wochen nach der Einführung

Tankstelle E10

Günther Richter / pixelio.de

E10 ist in aller Munde, aber nur in den wenigstens Tanks. Mehr als sechs Wochen nach der Einführung des neuen Bio-Sprits ist die Stimmung gedrückt. Eigentlich sollte E10 die Wunderwaffe gegen den CO2-Ausstoß der deutschen Pkw werden. Jetzt ist es die Lachnummer. Tankstellenbetreiber, Mineralölkonzerne, Politik und Verbände schieben sich gegenseitig die Schuld zu, und jetzt mischt sich auch noch die Kirche in die Diskussion ein („Müssen Menschen hungern, damit wir E10 fahren?“). Die Medien überschlagen sich mit neuen Hiobs-Meldungen und kreativen Überschriften: „Totale Umstellung, maximales Desaster“ oder „Dumm gelaufen, weiter so!“ sind noch die harmlosesten.

E10: Fakten und Vorwürfe

Fakt ist: Noch nie war eine Produktneueinführung in diesem Sektor so umstritten und ist je so gründlich gescheitert. Die Vorwürfe sind nicht von der Hand zu weisen: Das Bundesumweltministerium hat die Einführung von E10 allenfalls dilettantisch vorbereitet, es wurden weder vernünftige Preismechanismen installiert, um die Attraktivität von E10 zu steigern, noch wurde den Autoherstellern eine Garantieverpflichtung abgerungen, die eventuelle Motorschäden abdeckt, und die Autofahrer sind bis heute über Vorteile und Risiken von E10 nur unzureichend aufgeklärt. Aus welchem Grund wird E10 eingeführt? Warum sollte man E10 tanken? Was bringt es für Umwelt und Geldbeutel? Welche Autos vertragen den neuen Biosprit? Und wer versichert mich gegen eventuelle Schäden? Auch sechs Wochen nach der Einführung noch Fragen über Fragen, obwohl beim eiligst einberaumten Benzin-Gipfel Anfang März eine bessere Informationspolitik versprochen wurde. Politik und Industrie wollten an einem Strang ziehen, um den Verbrauchern E10 schmackhaft zu machen. Selbst der ADAC stellte sich hinter die Einführung des neuen Biokraftstoffs.

Die Tricks der Mineralölkonzerne

Nun die Kehrtwende: Der ADAC droht Tankstellen mit Klage, die kein normales Superbenzin zum normalen Preis anbieten. Die Mineralölkonzerne reagieren gereizt: Mit dieser Drohung breche der Club die Vereinbarung des E10-Gipfels. Damit versetze der ADAC E10 „den Todesstoß“ wie es der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) ausdrückt. Und das wo die Branche eh schon so angespannt ist: Nur noch bis Ende April können sie das „Winter E10“ verkaufen, schreibt die DIN-Norm 51626-1 vor. Doch die Lager sind voll mit der E10-Winterware und die Kapazitäten werden bald für das Sommer-E10 benötigt. TOTAL hat bereits darauf reagiert und die E10-Produktion in der Raffinerie Leuna zurückgefahren. SHELL hingegen geht andere Wege und will seine E10-Vorräte mit aller Macht an den Kunden bringen. Die kostenfreie E10-Versicherung von SHELL und der Deutschen Familienversicherung AG soll den Autofahrern die Angst vor E10 nehmen – und gleichzeitig die Kundenbindung erhöhen, denn die Versicherung ist an einige Bedingungen geknüpft: Wollen Autofahrer in den Genuss der kostenfreien Versicherung kommen, müssen sie mindestens 80 Prozent ihres Kraftstoffs bei SHELL tanken. Außerdem ist die Versicherung auf 18 Monate beschränkt und greift auch nur, wenn die Autohersteller bereits eine Unbedenklichkeitserklärung für das entsprechende Fahrzeugmodell abgegeben haben. „Hat der Hersteller diese Freigabe gegeben, haftet er auch für eventuelle Motorschäden.“, so Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied des Bundes der Versicherten (BdV) gegenüber der Auto-Presse. Eine Zusatzversicherung sei daher „absolut überflüssig“. Aber für SHELL wohl eine gelungene Marketingaktion, die die Unsicherheit der Autofahrer ausnutzt.

E10 vor dem Aus?

Jetzt, wo eine so starke Einflussgröße wie der ADAC wieder gegen die Umsetzung der E10-Einführung stichelt und weiterhin nur etwa 60 Prozent der potentiellen E10-Käufer wirklich zum neuen Biosprit greifen, rückt das Ziel den umstrittenen Kraftstoff in Deutschland endlich etablieren zu können, in weitere Ferne. Da hilft auch nicht die aktuelle Forderung der Mineralölkonzerne nach einer Steuersenkung für E10. Denn wie der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, Klaus Picard, gegenüber dem Focus selbst eingesteht: „Umfragen unserer Mitglieder an den Tankstellen haben ergeben, dass die allermeisten Autofahrer sich informiert haben. Trotzdem haben sie eine Abneigung gegen E10.“

Wird die Etablierung von E10 somit unmöglich? RP-Online vermeldet jedenfalls schon, dass man nun davon ausgehen könne, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis E10 wieder „rückabgewickelt“ werde.

Für jeden 10. PKW ist der neue Biosprit schädlich. Diese Fahrzeuge vertragen kein E10:

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