Nicht nur Autofahren wird teurer: Öffentlicher Verkehr zieht nach

Der öffentliche Verkehr in Deutschland wird teurer. Foto: © jörn buchheim - Fotolia.com

Wenn Sie zu den Nutzern des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zählen, müssen Sie in Deutschland mittlerweile genau so tief in die Tasche greifen, wie Autofahrer. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach seien die privaten Aufwendungen für Bus, Bahn und Tram in den letzten 20 Jahren deutlich stärker gestiegen, als die Kosten für die Benutzung des eigenen Kraftfahrzeuges.

Nutzer können frei entscheiden

Die Nutzung des ÖPNV-Angebotes habe sich um 50 Prozent verteuert. Damit hätten Auto und öffentlicher Verkehr im Vergleich ihrer variablen Preise gleichgezogen. Mit anderen Worten, wenn Sie Bus, Bahn oder Tram wählen, zahlen Sie für Ihr Ticket im Vergleich oft genau so viel, wie ein Pkw-Fahrer für seinen Kraftstoff. Laut der DIW-Studienverantwortlichen Sabine Radke und Uwe Kunert sei ein solcher Vergleich ausschließlich der variablen Aufwendungen zulässig, da die meisten ÖPNV-Nutzer zugleich über ein Kraftfahrzeug verfügen. Die Studie beziffert den durchschnittlichen Preis für 100 Kilometer im Öffentlichen Personennahverkehr mit mehr als 10 Euro.

2010 kostete Mobilität die Haushalte 48 Milliarden Euro

Als durchschnittlicher Deutscher absolvieren Sie im Jahr eine Strecke von rund 15.000 Kilometer Länge. Ihr Favorit für die Fortbewegung ist und bleibt das Auto mit 11.000 Kilometern, gefolgt vom ÖPNV mit 2.000 Kilometern. Die restliche Strecke legen Sie statistisch gesehen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Für die dazu notwendigen Kraftstoffe haben die deutschen Haushalte 2010 rund 44 Milliarden Euro bezahlt, die Tickets im ÖPNV schlugen mit 14 Milliarden Euro zu Buche. Damit belegen die Mobilitätskosten nach den Ausgaben für das Wohnen den Rang 2 in der Ausgabenliste. Grundsätzlich mussten die Deutschen laut DIW in den vergangenen 20 Jahren für Ihre Mobilität deutlich höhere Kostensteigerungen in Kauf nehmen, als für die allgemeine Lebenshaltung.

Entlastung für Autofahrer geht an Realitäten vorbei

Angesichts der Kostenexplosion im ÖPNV hält Uwe Kunert Forderungen nach einer generellen Kostenentlastung der Autofahrer für ungerechtfertigt. Deutsche Autofahrer, so der DIW-Experte, seien im europäischen Vergleich zudem von den Benzinpreiserhöhungen nicht besonders hart betroffen. Kunert plädiert stattdessen dafür, das preisgünstige Erdgas stärker als Kraftstoff zu nutzen und sich stärker der Effizienzsteigerung konventioneller Antriebe zu widmen, statt sich allein auf Elektromobilität zu fokussieren.

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