Der „ALDI-Panzer“: Die etwas andere Mercedes S-Klasse

Vor einigen Tagen verstarb einer Gründer der Discount-Kette Aldi, Theo Albrecht. Nun steht sein Auto zum Verkauf – eine ganz besondere Ausführung der Mercedes S-Klasse W140. Ganz im Sinne seines Geschäftsprinzip verzichtete Albrecht bei der Bestellung seiner Chauffeurs-Limousine 1996 auf jegliche – normale – Extras. Es gibt wohl nicht viele S-Klassen, in denen sich ein ein Audio-Kassettendeck und simple Stoffbezüge finden. Theo Albrecht investierte lieber in seine Sicherheit. 1971 war er entführt worden, seitdem tat er alles, um einen weiteren Erpressungsversuch zu verhindern, er lebte zurückgezogen und ließ sich nicht fotografieren. Auch beim Autokauf stand seine Sicherheit an erster Stelle. Die Mercedes S-Klasse, mit der er bis eineinhalb Jahre vor seinem Tod rund 170.000 Kilometer zurücklegte, entsprach der höchsten Panzerungsklasse.

Die Spezialanfertigung ist rundherum gepanzert, auch am Unterboden ist eine dicke Stahlplatte angebracht. Die Scheiben der S-Klasse sind 6,5 cm dick und so schwer, dass für den Fensterheber eine eigene Hydraulik in jeder Tür installiert wurde. Auch die Reifen sind schusssicher, die Karosserie hält angeblich sogar Panzerfaust-Beschuss aus. Der ehemalige georgische Präsident Schewardnadse habe in einem baugleichen Fahrzeug zwei Raketenanschläge überlebt, preist der Gebrauchtwagenhändler das Fahrzeug an.

Doch damit nicht genug. Die Mercedes S-Klasse W140, ohnehin schon nicht dezent im Auftritt, ist bis obenhin vollgestopft mit Vorrichtungen, auf die James Bond und „Q“ stolz gewesen wären. Eine Abhöranlage kann angeblich jedes Gespräch in 30 Meter Umkreis mithören, zudem gibt es – für den Fall eines Giftgasanschlages – eine eigene Sauerstoffversorgung. Die Türen sind mit Sprengsätzen versehen, durch die sie per Knopfdruck abgesprengt werden können. Das gleiche gilt für die Kofferraumklappe, falls darunter eine Geisel festgehalten werden sollte. Zudem ist im Kofferraum ein Telefon versteckt, um im Notfall Hilfe holen zu können. Der „Aldi-Panzer“ (Financial Times Deutschland) bringt es auf 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, trotz 278 PS sind die Fahrleistungen entsprechend bescheiden.

Eigentlich ein wunderbares Auto für jeden Schrauber: Selten und exotisch, trotzdem sind alle Verschleißteile (bei dem Gewicht werden Bremsen und Stoßdämpfer ordentlich leiden) leicht zu bekommen. Und über durchrostete Bleche braucht man sich auch keine Sorgen zu machen…

Für 100.000 Euro kann sich jeder wie ein Präsident fühlen – zu diesem Preis wird das Fahrzeug hier angeboten.

Nachtrag: Der ALDI-Panzer wurde am 15.08.10 in der Internetauktion für 86.150 Euro verkauft. Nach Aussage des anbietenden Auto-Händlers Michael Fröhlich sei der Käufer wohl kein Sammler: „Ich habe den Käufer kurz sprechen können. Er war sehr zugeknöpft und möchte inkognito bleiben“. Der Umbau des Wagens hatte Theo Albrecht 1996 etwa 1,5 Millionen Mark gekostet.

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